Whisky-Tasting „art’n’whisky 4“ – OA vs. UA

Zum vierten Mal treffen sich Whiskyfreunde im Atelier der Künstlerin Iris Jurjahn in Alpen, um inmitten der fast greifbaren Kreativität des Ateliers in Ruhe neue Whiskys zu genießen.

WAS WIRD VERKOSTET

Whisky als Massenprodukt direkt aus der Destillerie, als Originalabfüllung (OA) – oder doch lieber das Einzelfass vom unabhängigen Abfüller (UA)? Was zeichnet die Abfüllungen aus und worin liegen die Unterschiede? Diese und weitere spannende Fragen werden anhand folgender Vergleichspaare beantwortet:

  • Aberlour 16yo Distillery vs. Aberlour 14yo Malts of Scotland
  • Clynelish Distiller’s Edition Distillery vs. Clynelish 21yo The Ultimate
  • Tomatin 18yo Distillery vs. Tomatin 11yo The Whisky Chamber

FÜR WEN GEEIGNET

Sowohl Einsteiger als auch fortgeschrittene Whiskygenießer sind gleichermaßen angesprochen, die Unterschiede dieser Abfüllungen kennenzulernen.

DAUER

Das Tasting beginnt um 19:00 Uhr und wird inkl. Pausen ca. drei Stunden dauern.

SONSTIGES

Ganz wichtig: Unterschätzen Sie die Wirkung des Whiskys nicht. Essen Sie bitte vor Beginn des Tastings ausreichend. Während des Tastings werden Salzgebäck und Wasser gereicht.

 

Glenlivet 10yo SV for Whiskyhort

Vor den heutigen Notes eine kleine Bemerkung zu diesem Blog. In letzter Zeit waren die Möglichkeiten, meine Eindrücke von Whiskys zu schildern zeitlich arg beschränkt. Daher war es hier recht ruhig. Das soll sich in 2018 wieder ändern. Geändert hat sich allerdings auch meine berufliche Situation. Seit dem 1. Dezember 2017 bin ich in Vollzeit für den Whiskyhort Oberhausen tätig. Ob das meine Eindrücke, meine Notes beeinflusst? Ich glaube nicht. Gefällt mir etwas, merkt man das an meinen Notes. Ebenso fällt es auf, wenn ich weniger begeistert bin. Woher die Whiskys oder auch die Samples stammen, hat bisher keine Rolle gespielt und wird es für mich auch künftig nicht. Ob wir im Whiskyhort von einem hier beschriebenen Whisky aufgrund meiner Notes mehr oder weniger verkaufen, ist für mich nicht wichtig. Denn was ich hier schildere, sind meine eigenen Eindrücke. Andere haben ihre eigenen, möglicherweise anderen Eindrücke. Was mir schmeckt, muss anderen noch lange nicht schmecken – und umgekehrt. Von daher wird sich sowas auf Sicht immer die Waage halten. Wichtig ist letztlich nur eins: Das, was man genießt, soll einem schmecken. Sind dir meine Eindrücke eine Hilfe, freut mich das.

Genug der Vorrede, der Whisky hat lang genug geatmet. Worum geht es heute?

WAS

Name: Glenlivet 2007 SV for Whiskyhort
Kategorie: Single Malt
Destillerie: The Glenlivet
Region: Speyside
Abfüller: Whiskyhort
Destilliert: 27. März 2007
Abgefüllt: 18. Dezember 2017
Alter: 10 Jahre
Fasstyp: First Fill Sherry Hogshead
Fassnummer: 900164
Anzahl Flaschen: 313
Alkoholgehalt: 66,8 %
Inhalt: 0,7 l
Aktueller Straßenpreis: 89,90 EUR

DESTILLERIE

The Glenlivet, in der Nähe von Ballindaloch, Moray in Schottland gelegen, wurde 1824 als erste legale Brennerei nach dem Exise Act gegründet. Dieses Gesetz erlaubte es jedem, mehr als 40 Gallonen (das entspricht etwa 180 Litern) zu brennen, wenn er die jährliche Steuer von 10 Pfund entrichtete. Nach und nach folgten alle Brennereien The Glenlivet und haben ihre Tätigkeiten legalisiert. Als erste warb The Glenlivet daher teilweise mit der markanten Aussage „The single malt that started it all“. Heute gehört die Brennerei zu Pernod-Ricard und produziert jährlich 10.500.000 Liter. Als Originalabfüllungen sind der 12yo, 15yo, 18yo, Archive 21yo, der 25yo XXV, der NAS Founder’s Reserve sowie die fassstarken, mindestens 16 Jahre alten Nadurras erhältlich. Daneben haben auch etliche Unabhängige Abfüller Whiskys dieser Destillerie in die Flasche gebracht. In diesem Fall ist es Signatory Vintage, einer der größten Unabhängigen Abfüller Schottlands.

ABFÜLLER

Der Whiskyhort Oberhausen, auf der Interwhisky in Frankfurt jüngst zu „Deutschlands Whiskyshop Nr. 1“ gekürt, hat zu seinem Ende Januar 2018 anstehenden dreijährigen Geschäftsjubiläum ein Fass Glenlivet abfüllen lassen. Drei ereignisreiche Jahre, die mit diesem Whisky gewürdigt werden. Destilliert wurde der New Make am 27. März 2007, als Whisky in die Flasche gebracht am 18. Dezember 2017. Die gesamte Reifezeit verbrachte das Destillat in einem First Fill Sherry Hogshead.

AUGE

Das sieht man dem Whisky auch an. Dunkles Mahagoni schimmert mit einem tiefen Leuchten im Glas. Nach dem Schwenk des Glases läuft die Flüssigkeit schon fast widerwillig zurück ins Glas. Breite Legs bilden sich dabei. Ein vielversprechender Auftakt.

NASE

„Voll, schwer, warm, komplex“ schießt es mir als erstes durch den Kopf. Beeindruckend für einen zehnjährigen Whisky. Aber er gibt sich noch zugeknöpft. Nun gut, ich habe Zeit. Eine knappe halbe Stunde später macht der Dram einen ganz anderen Eindruck. Die Wartezeit dankt er mit jeder Menge dunklen, reifen Früchten. Brombeeren, Pflaumen, dunkle Weintrauben, die schon fast Rosinen geworden sind. Daneben Rohrzucker, Karamell, ein erster, sehr dezenter und daher angenehmer Ansatz von Holz. Den Alkohol nehme ich nicht wahr. Statt dessen scheint mich der Dram wie eine wärmende Decke einzuhüllen, nimmt mich ganz für sich ein. Eine angenehme Wohligkeit macht sich breit.

MUND

Der erste Schluck prickelt schnell auf der Zunge. Auch geschmacklich lässt sich noch nicht viel feststellen. Zu kräftig ist der Antritt mit 66,8 %. Damit hatte ich gerechnet und deshalb einen anderen Glenlivet in Trinkstärke vorab verkostet, um die Geschmacksknospen vorzubereiten. Dennoch ist der Sprung von über 20 % im Alkoholgehalt ein deutlicher. Ab dem zweiten Schluck wird es aber deutlich besser. Kräftig ist er immer noch, ja. Dunkel wirkt er, ist herb, würzig. Jetzt merke ich, dass der Alkohol insgesamt gut eingebunden ist. Bis das Prickeln wieder auftritt, dauert es fast zehn Sekunden. Die Früchte sind im Mund deutlich dezenter, auch die Süße ist unaufdringlich und gesellt sich später dazu. Auch hier ist es wieder Rohrzucker, deutet sich Karamell an. Bis dahin dominieren würzige Eichennoten ohne unangenehm zu sein. Schnell fühlt sich der Mundraum dennoch trocken an.

HALS

Lang und wärmend bleibt er zurück, im Hals ebenfalls die würzigen Aromen, die nach und nach einer aufkommenden Süße weichen.

FAZIT

Wer mich kennt, weiß, dass ich sherryfassgelagerte Whiskys nicht allzu sehr mag. Sie wirken auf mich oft langweilig, überdecken mit ihrer Süße oft andere Aromen. Haben sie hingegen Ecken und Kanten, etwas woran sich meine Geschmacksknospen, woran sich meine Hirnwindungen festhalten können, finde ich das hingegen sehr faszinierend. Solch einen Vertreter habe ich hier im Glas. Nase und Mund stellen sich unterschiedlich dar. Fruchtaromen und eine schöne Süße in das Nase werden im Mund zu kräftigen, würzigen Eindrücken, die ihren Platz beanspruchen. Mir macht das richtig Spaß. Daher wird eine Flasche in meinen Schrank wandern. Wie sind deine Eindrücke? Gerne als Kommentar unter diesem Beitrag. 

LINKS

Whiskybase: noch nicht angelegt
Destillerie: https://www.theglenlivet.com/en-EN
Abfüller: https://shop.whiskyhort.com/

Tasting-Notes #0044

Whisky-Tasting „Whisky International“, Kleiner Salon, SCALA Kulturspielhaus, Wesel

Während Schotten und Iren uneins sind, wer von ihnen das uisge beatha erfunden hat, haben sie mittlerweile weltweit Nachahmer gefunden. Regionale Besonderheiten sorgen dabei für eine große Variation der geschmackvollsten Spirituose der Welt. Verkostet werden an diesem Abend ausschließlich Whiskys, die NICHT aus Schottland stammen:

  • Eagle Rare 10yo (USA)
  • Teeling Small Batch Rum Cask (Irland)
  • Glen Els Journey (Deutschland)
  • Armorik Maitre de Chai (Frankreich)
  • Mackmyra Svensk Rök (Schweden)
  • Paul John Bold (Indien)

Abgerundet wird das Tasting durch Fingerfood in den Pausen.

Tickets sind direkt beim Veranstalter erhältlich.

Whisky-Tasting „Unabhängige Abfüller“, Kleiner Salon SCALA Kulturspielhaus, Wesel

Auch abseits der Abfüllungen der Destillerien gibt es jede Menge interessanten und vor allem leckeren Whisky zu entdecken. Unabhängige Abfüller sorgen für eine breit gefächerte Auswahl an Whiskys, die sich durch ihre Einzigartigkeit von den Abfüllungen der Destillerien unterscheiden. Tauchen Sie ein in die Welt unbekannter Whiskys und entdecken Sie deren geschmackliche Vielfalt. Verkostet werden an diesem Abend:

  • Rathais (Glenrothes) 9yo – Whiskyhort
  • Teaninich 8yo – Gordon & MacPhail
  • Tomintoul 10yo – The Maltman
  • Glen Garioch 15yo – Highland Trail
  • Bunnahabhain 10yo – Signatory Vintage
  • Ledaig 7yo – The Ultimate

Abgerundet wird das Tasting durch eine kleine kulinarische Grundlage.

Tickets sind direkt beim Veranstalter erhältlich.

Kürbis-Kokos-Suppe mit roten Linsen

Viel zu lange ist es her, dass ich in der Küche gestanden habe. Aus verschiedenen Gründen hatte meine Frau das in den letzten Wochen übernommen. Zeit, dass sich was dreht …

Herbst, das bedeutet nicht nur kürzere Tage, leuchtendes Laub und usseliges Wetter. Herbst ist auch Suppenzeit. Ich liebe Suppen! Außerdem koche ich sie gerne selbst. Beim Einkauf vorige Tage fand auch ein Kürbis den Weg in den Lebensmittelvorrat. Kürbissuppe gab es schon lange nicht mehr. Vor Jahren hatte ich mir mal ein Rezept abgespeichert, das mir jetzt als Grundlage dienen sollte.

ZUTATEN

  • 750 g Hähnchenbrustfilet
  • 1 EL „Rot Shish Taouk“-Gewürz
  • 1 TL „Herr des Ladens“-Gewürz
  • etwas Sonnenblumenöl zum Anbraten
  • ein mittelgroßer Hokkaido-Kürbis
  • drei mittelgroße Möhren
  • zwei mittelgroße Zwiebeln
  • eine rote und eine gelbe Paprika
  • ein Bund Frühlingszwiebeln
  • ein daumengroßes Stück Ingwer
  • 500 g rote Linsen
  • 1 EL selbst zubereitete Gemüsepaste
  • 400 g Kokosmilch
  • 2 Liter Wasser
  • Salz
  • frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • Curry Maharadja 
  • Curry Dragon
  • Hibiskusblütenzucker

WERKZEUG

  • großes Küchensieb
  • großer Kochtopf
  • großes Küchenmesser
  • Kochlöffel

 

ZUBEREITUNG

Zunächst werden die roten Linsen in das Küchensieb gegeben und unter fließendem Wasser gründlich gespült. Anschließend über dem Spülbecken oder einer Schüssel abtropfen lassen. In der Zwischenzeit das Hähnchenbrustfilet parieren (falls nötig) und in mundgerechte Stücke teilen. Mit etwas Öl im Topf scharf anbraten. Die Gewürze nehme ich bei sowas frei Schnauze. Hier waren es neben Pfeffer und Salz Rot Shish Taouk, ein Gewürz aus dem arabischen Laden um die Ecke, sowie Herr des Ladens, eine Gewürzmischung, die mir eine liebe Freundin mal geschenkt hatte. Beides zusammen gab den richtigen orientalischen Kick, den ich haben wollte.

Während das Hähnchenfleisch vor sich hin brutzelt, ist Zeit genug, den Hokkaido-Kürbis zu halbieren, mit einem Esslöffel den mit den faserigen Samen gefüllten Mittelteil auszuhöhlen und anschließend in grobe Würfel zu zerteilen. Auch das restliche Gemüse wird geputzt und in entsprechende Stücke zerlegt: die Zwiebel in feine Würfel, Frühlingszwiebeln schräg in nicht zu dicke Röllchen, die Möhren halbiert, danach in Scheiben geschnitten und letztlich auch die Paprika gewürfelt. Nachdem das Stück Ingwer mit einem Teelöffel geschält war, wurde auch das in sehr feine Würfel geschnitten.

 

In der Zwischenzeit ist das Hähnchenfleisch fertig und kann aus dem Topf genommen und beiseite gestellt werden. Wieder etwas Öl in den Topf geben, die Zwiebelwürfel darin leicht glasig anbraten. Nun das restliche Gemüse in den Topf geben, nach Belieben würzen und kurz mit anbraten. Danach mit Gemüsebrühe auffüllen, bis  fast alles bedeckt ist. Hierzu nutze ich selbst hergestellte Gemüsepaste, die ich mit heißem Wasser aufgieße. (Wie die gemacht wird, zeige ich euch ein anderes Mal.) Alles zusammen bei zwei Drittel Hitze 10 – 15 Minuten köcheln lassen, bis die Linsen weich sind. Dann ist es auch schon Zeit für die Kokosmilch, die hinzu gegeben und mit erhitzt wird. Auch hier wieder nach Belieben würzen. Ich wollte es mit ein wenig Pfiff servieren und habe Curry von Ankerkraut genommen. Curry Maharadja für die Grundschärfe, dazu wohl dosiert Curry Dragon. Außerdem Salz und eine gute Prise schwarzen Pfeffer. Für die geschmackliche Abrundung kam dann noch ein wenig Hibiskusblütenzucker dazu. Letztlich noch das Hähnchenfleisch wieder dazu geben, kurz erhitzen lassen, das war’s. In eine Schale gegeben, etwas Kürbiskernöl darüber, frisches Baguette zu und fertig ist der Genuss!

Whisky-Tasting „Schottische Rundreise“, Kleiner Salon SCALA Kulturspielhaus, Wesel

Uisge Beatha, heutzutage als Whisky bekannt, ist eine Mischung aus Chemie, Technik und einem guten Stück Geheimnis. Das macht seine Faszination aus. Denn trotz aller Wissenschaft lässt sich immer noch nicht ganz erklären – und damit auch nicht steuern – was letztendlich im Glas des Genießers landet. Dennoch lohnt es sich, auf der Spur dieses Mysteriums zu wandeln, immer getreu dem Motto „Der Weg ist das Ziel“.

Der Weg ist bei diesem Tasting eine Rundreise durch Schottland. Je ein Vertreter der sechs schottischen Whiskyregionen wird vorgestellt, um die Unterschiede zu entdecken. Verkostet werden an diesem Abend:

  • Speyside: Craigellachie 2008/2017, Signatory Vintage
  • Lowlands: Auchentoshan Three Wood
  • Isles: Arran Sauternes Cask
  • Highlands: Tomatin 14yo Port Wood Finish
  • Campbeltown: Springbank 15yo
  • Islay: Kilchoman Machir Bay 2015

Abgerundet wird das Tasting durch eine kleine kulinarische Grundlage.

Tickets sind direkt beim Veranstalter erhältlich.

Scotch Universe – 4th Rocket Launch

Samstag Morgen, es ist noch still im Haus, der erste Kaffee hat die Lebensgeister geweckt. Aus dem Lautsprecher klingen die „Ultimate Hits Of The Seventies“ – und das für die nächsten neun Stunden. Zeit genug, das neue Bottling von Scotch Universe unter die Lupe zu nehmen. Und das braucht Zeit, denn das Bottling hat es in sich. Dreimal unpeated, dreimal peated. Drei Speysider, ein Highlander, zwei kommen von Islay. Der Durchschnitt liegt im Alter bei sieben Jahren und acht Monaten und beim Alkoholgehalt bei knapp über 61,0 %. Also nicht lang schnacken, einschenken und atmen lassen.

PROXIMA ALPHA I

Eckdaten: Speyside – 8yo – Refill Bourbon Hogshead – 60,1 %

Auge: Refill Bourbon Hogshead, das könnte die sehr helle, an jungen Weißwein erinnernde Farbe erklären. Der Schwenk im Glas bringt recht feine Legs, die sich schwer tun, wieder ins Glas zu laufen.

Nase: Frisch, leicht, fruchtig, spritzig, so ist der erste Eindruck. Schöne Fruchtaromen, etwas Honigmelone, junge, helle Weintrauben und vor allem viel weiße Johannisbeeren lassen sich ausmachen. Nach und nach gesellen sich dann malzige Noten hinzu, gehen in Cerealien, Butterkeks, Weißbrot über. Das wird den Früchten offensichtlich zu viel, denn sie ziehen sich langsam zurück, lassen dem Teig den Vorrang. Schön abwechslungsreich und das Interesse weckend. Alkohol ist fast nicht auszumachen.

Mund: Noch bevor ich die erste Aromen identifizieren kann, bekomme ich aus dem Mund die Rückmeldung einer samtigen, fast öligen Flüssigkeit, die für ein volles Mundgefühl sorgt. Dann wird es süß, fruchtig. Erst nach rund zehn Sekunden spüre ich den Alkoholgehalt von 60,1 % durch ein leichtes Kribbeln auf der Zunge. Helle Weintrauben, frische grüne Birne, darüber wieder jede Menge Johannisbeeren, die aber dunkler werden. Vanillezucker wechselt sich mit Butterkeks ab, ein Hauch von Thymian ist auszumachen, gerade so, dass die Süße getragen wird. Das Weißbrot scheint nun leicht angetoastet, bevor zum Ende eine ganz schwach bittere Holznote die Aromen wundervoll einfängt und abrundet.

Hals: Geschmeidig fühlt er sich im Abgang an, cremig. Fruchtige Süße mit ein wenig Spritzigkeit ist auszumachen und bleibt mittellang.

Fazit: Eine tolle Textur gepaart mit viel Frucht, dabei für über 60 % Alkohol erstaunlich mild. Toller Einstieg.

ANTARES I

Eckdaten: Speyside – 9yo – Sherry Butt – 64,3 %

 

Auge: Der neunjährige aus dem Sherry Butt hat die Farbe von Weißwein und der Schwenk im Glas bildet dünne Legs, die ölig langsam wieder ins Glas hinabrinnen. So weit die Ähnlichkeit zum ersten Dram.

Nase: Schöne malzige, dennoch leichte Aromen steigen mir entgegen. Ich nehme Wildblütenhonig wahr, eine Spur Plattpfirsich, am Rand etwas beeriges, nur eine Spur. Ich kann nicht genau identifizieren, ob es Erdbeeren oder Himbeeren sind. Frische und eine im doppelten Wortsinn leichte Grasigkeit runden den nasalen Eindruck ab. Das wirkt schon recht ausbalanciert.

Mund: Erstaunlich! Auch dieser fühlt sich weich und cremig an, wirkt mild, breitet sich angenehm im Mund aus. Erstaunlich? Ja, weil er mit 64,3 % abgefüllt wurde. Vierundsechzigkommadreiprozent! Ich brauche einen Moment, um mich wieder zu sammeln, nehme dann Malz wahr, die Süße von Honig. Der Plattpfirsich ist präsenter, Honigmelone ergänzt die Fruchtnoten. Die Süße wandert von Honig eher in Richtung Marshmallows. Zusätzlich gewinnt der Antares an Würze. Absolut faszinierend finde ich, dass der Alkohol bis zum Schluss kaum spürbar wird. Auch wenn ich den Nipp länger im Mund behalte, dauert es, bis die Geschmacksknospen entsprechende Rückmeldung geben.

Hals: Ha, geht doch! Ist der Mund erst einmal leer, sorgen die 64,3 % doch noch für den Aha-Effekt. Für einen Moment gilt diesem die volle Konzentration, dann bemerke ich die Süße und Malzigkeit im Abgang, die mittellang bleiben

Fazit: Ein tolles, sehr harmonisches Aromenspiel mit einem unglaublich gut eingebundenen Alkohol, bis er am Ende dann doch grinsend um die Ecke kommt. Und das ist ein eher diabolisches Grinsen. Mir gefällt es, Punkt.

POLLUX II

Eckdaten: Speyside – 9yo – Sherry Butt – 64,5 %

Auge: Noch ein Speysider, noch einmal neun Jahre alt, noch einmal Sherry Butt. Wundert es, dass die Farbe recht ähnlich ist? Nein, nicht wirklich. Gut, einen Tick dunkler ist der Dram im Glas, sieht golden aus. Die feinen Legs verbinden sich schnell, werden breiter und laufen nur sehr langsam wieder ins Glas.

Nase: Schon beim Einschenken breiten sich frische, blumige Aromen aus. Erst die Nase direkt über dem Glas stellt fest, wie gehaltvoll und komplex diese doch sind. Rote Äpfel mache ich aus, frische Sahne, dann Safran. Die Süße ist insgesamt sehr fruchtig, bringt einen Hauch Vanille mit. Apfelgelee kommt mir in den Sinn. Etwas länger im Glas werden die Noten zunehmend malziger und ich meine, eine Spur Gewürze wahrzunehmen, ohne diese allerdings in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen zu können.

Mund: Dermaßen angeregt bin ich gespannt auf den Geschmack. Weich ist das Mundgefühl – zunächst. Denn es folgt quasi mit kleinen Startschwierigkeiten ein kräftiger Antritt. Den Alkohol versteckt der Dram nicht, verrät aber auch nicht, dass hier 64,5 % losspurten. Der ist gehaltvoll im ersten Eindruck – und bleibt es auch. Würzigkeit, die ich als leichte Holznote interpretiere. Die Äpfel sind nicht mehr so dominant wie in der Nase, aber immer noch sehr präsent. Demarara-Zucker, eine Spur Kardamom, etwas Spekulatius wechseln sich ab. Alles harmonisiert miteinander, wirkt wie fein komponiert, bewusst aufeinander abgestimmt.

Hals: Die süße Würzigkeit klingt mittellang aus, wärmt wohlig und wird zum Schluss trockener.

Fazit: Der ist gehaltvoll, bringt winterlich stimmende Aromen – klasse! Bisher mein Highlight.

ANDROMEDA IV

Eckdaten: Highlands – 7yo – Jamaika Rum-Cask – 58,1 %

Augen: Auch dieser unterscheidet sich farblich nicht groß von den anderen. Golden schimmert der Dram im Glas, bildet feine Legs aus, die aber schnell dicker werden.

Nase: Trockener, kalter Rauch empfängt meine Nase, wirkt dabei verhalten. Vanille und Teig rieche ich dann, Da hat doch jemand gerade Scones gebacken. Dazu eine frische Note, ja das sind Zitronenzesten. Diese verblassen mit der Zeit, dafür kommt Vanillezucker durch. Ein insgesamt sehr interessantes Zusammenspiel.

Mund: Für einen Moment recht weich und mild, bevor sich der Rauch bemerkbar macht. Deutlicher als in der Nase. Trocken und immer noch nicht zu ausgeprägt. Gemeinsam mit der Vanille bemerke ich eine zuckrige Süße, bevor der Rauch dann aber kräftig darauf aufmerksam macht, dass er da ist. Malz und die Scones mildern das anschließend direkt wieder. Der Andromeda wird süß, zuckersüß. Zusammen mit dem Teig kann das nur eins bedeuten: Ommas Butterkuchen! Lecker! Und ja, Omma. So heißt dat hier.

Hals: So geht es auch im Hals weiter. Eine rauchige, wärmende Süße bleibt lange erhalten.

Fazit: Diese Kombination aus Süße und Rauch gefällt mir. Aufgrund der Fassangabe hatte ich andere Aromen erwartet. Bin ich enttäuscht, sie nicht zu finden? Nicht wirklich, denn das, was ich rieche und schmecke, gefällt mir gut.

CALLISTO III

Eckdaten: Islay – 5yo – St. Martinique Rum-Cask – 56,9 %

Auge: Ein schönes goldgelb scheint mir entgegen. Die Legs sind relativ breit und schwer. Sie lassen sich Zeit.

Nase: Der Rauch ist diesmal warm, mischt sich mit braunem Zucker, mit Rosinen. Tropische Früchte finde ich, eine Spur Banane, Maracuja sorgt für ein wenig Spritzigkeit. Ansonsten dominiert eine volle, schwere Süße, die aus einem Korb voller reifer Tropenfrüchte zu stammen scheint. Sehr komplex und vielschichtig. Das finde ich für einen fünfjährigen Malt durchaus bemerkenswert.

Mund: Voller, warmer Rauch breitet sich sofort im ganzen Mundraum aus. Richtig satt ist das Aroma. Die anderen haben es schwer und müssen sich erst einmal durchkämpfen. Nach und nach gelingt es ihnen jedoch. Brauner Zucker ist zu schmecken, überreife Banane, Pflaumen, und Karamell. Das wirkt so vollmundig, ölig und cremig, dass es eine Wonne ist. Solche Vielfalt in einem so jungen Malt hatte ich bisher selten. Und es bleibt spannend, denn immer wieder drängt der Rauch nach vorne und scheint alles andere durchzumischen. Jeden Nipp kann man getrost einige Zeit im Mund lassen und genießen. Der Alkohol ist sauber eingebunden und stört nicht.

Hals: Der Rauch kam als erster und geht als letzter. Daneben bleibt diese schwere Süße mittellang erhalten.

Fazit: Eine fantastische Kombination von heftigem Rauch und schwerer Süße mit exotischen Aromen.

IO II

Eckdaten: Islay – 8yo – Bourbon Hogshead – 62,3 %

Auge: Der bringt mal farbliche Abwechslung. Was ich wiederum erstaunlich finde. Jedenfalls hätte ich blind nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet ein Bourbon Hogshead der dunkelste Teilnehmer im Feld ist. Ein dunkles Gelbgold mit einem Stich ins Rötliche erwartet mich. Außerdem spindeldürre Legs, die kaum wieder ins Glas wollen.

Nase: Der Rauch versteckt sich zunächst hinter einer fruchtigen Süße. Ich bin überrascht, Tiramisu wahrzunehmen, schön klassisch – und als Extra ein Hauch Erdbeerpüree als Verzierung obendrauf. Als ich mich an diese besondere Kombination gewöhnt habe, entzieht sie sich mir wieder und macht Platz für malzige Noten. Jetzt wird es eher klassisch Bourbon-Fass. Die Süße verändert sich zu einer vanilligen. Zum Schluss wird es noch fleischig. Räucherspeck kommt ins Spiel. Nein, halt kein Räucherspeck. Das ist Bacon, gerade leicht kross angebraten und nun neben der Pfanne auf dem Küchentuch zum abkühlen ausgelegt. Hatte ich schon länger nicht mehr und das gefällt mir immer noch sehr!

Mund: Aus Vanille stammende Süße schießt voran, brauner Zucker folgt und bringt noch mehr Süße, bevor sich der Rauch wie ein wärmender Mantel darüber legt. Cremig und ölig fühlt sich auch dieser Nipp im Mund an. Die 62,3 % sind nicht in der Stärke auszumachen. Auch hier britzelt es erst nach rund zehn Sekunden auf der Zunge. Bis dahin hat sie aber noch erdigen Rauch wahrgenommen, den leicht angebratenen Bacon, der sich hier noch eine Spur deutlicher als in der Nase findet. Zum Ende hin wird der Rauch trockener und erst zum Schluss spürt man den Alkohol dann doch deutlicher.

Hals: Das mittellange Finish bereitet mir mit deutlichem Rauch und glasiertem Bacon große Freude.

Fazit: Ein klassischer, getorfter Islay ohne großes Chi-Chi. Großartig!

Randnotiz: Ein Sample des IO hatte ich bereits im September verkosten dürfen (https://leben-mit-genuss.de/neues-von-scotch-universe). Die restliche Reifezeit hat die Aromen doch noch ein wenig verändert, wie ich im Nachgang feststellte. Jetzt gefällt er mir noch besser.

RESÜMEE

Die Verkostung hat sich letztlich doch über zwei Tage gezogen. Gut so, denn jeder Malt hatte dadurch die ihm gebührende Zeit und Aufmerksamkeit. Mir hat es Spaß gemacht und ich bin davon überzeugt, dass viele hier mindestens eine Abfüllung für den heimischen Gebrauch finden werden. Die Antwort auf die übliche Frage nach dem einen Favoriten fällt mir bei der Auswahl wieder schwer. Ich versuche es anders herum: Es sind sehr unterschiedliche Malts mit zum Teil ungewöhnlichen Fasslagerungen. Alle haben mich auf ihre Art fasziniert und ich bin froh noch Reste für den weiteren Genuss zu haben. Erstaunlich fand ich die gute Einbindung der doch recht kräftigen Alkoholstärken. Lag es ein meiner Tagesform, oder ist das durchgehend der Fall? Ich werde es bei weiteren Gelegenheiten herausfinden. Dennoch gibt es zwei, die für meinen Geschmack die Nase vor den restlichen haben. Ein Foto-Finish ist das nicht, es liegen aber auch nicht Welten zwischen den Kandidaten. Bei den ungetorften gefällt mir der Pollux am besten. Das mag aber auch an der Jahreszeit liegen, in der er hervorragend passt. Die anderen beiden versuchen mit ihren teils deutlich fruchtigen Aromen den Sommer noch ein wenig hinauszuzögern. Auch das wird Freunde finden. Bei den getorften Vertretern liegt in dieser Runde der IO vorne. Der Abstand vor dem Callisto ist knapper als der Vorsprung des ungetorften Gewinners. Aber die eher klassisch wirkende Ausprägung des IO liegt für mich noch einen kleinen Tick vor dem sehr faszinieren Rum-Cast des Callisto.

Die Malts sind bereits in Deutschland eingetroffen und werden in den nächsten Tagen in den Verkauf gehen. Dann werden auch die Preise bekannt gegeben – auf die ich auch sehr gespannt bin. Die Destillerien habe ich bewusst nicht verraten, damit ihr noch Spaß bei der Suche habt.

An dieser Stelle herzlichen Dank an Michel Reick und Alexander Springensguth von Scotch Universe für die Samples. Meine Meinung wurde davon jedoch nicht beeinflusst.

LINKS

Abfüller: http://www.scotch-universe.co.uk/

Tasting-Notes #0038 bis #0043

Brothers in Malt – Bottling Oktober 2017

„Brüder im Geiste“, ein geflügeltes Wort für Menschen, die sich in ihrer Einstellung oder Meinung sehr ähnlich sind, das kennt wohl jeder. Aber „Brothers in Malt“, also „Brüder im Malz“? Der Begriff sagt wohl nur wenigen etwas. Dabei handelt es sich um Jeffrey Kaiser, Mark Oellingrath und Christian Vohl, drei Whisky-Freunde aus Solingen und Haan. Anlässlich der Geburt von Christians Tochter sollte es ein besonderes Geschenk geben, einen Whisky, den es so nicht zu kaufen gab. Aus dieser spaßigen Aktion wurde Ernst und die drei gründeten „Brothers in Malt“. Seitdem sind drei Jahre und über fünfzehn Abfüllungen ins Land gezogen, die sich in einer wachsenden Fan-Gemeinde großer Beliebtheit erfreuen. Einer der ersten war ein achtjähriger Ledaig, an dem sich ob seiner grandiosen Qualität die nachfolgenden Abfüllungen messen lassen mussten. Umso spannender, dass im aktuellen Bottling zwei Ledaigs am Start sind, die zu verkosten ich die Ehre und das Vergnügen habe. Noch dazu, da Ledaig nach kleinen, nicht nennenswerten Startschwierigkeiten zu meinen erklärten Lieblingen der Whiskywelt gehört. Ich bin also sehr gespannt!

 

Ledaig 10yo

Als die getorften Abfüllungen der Tobermory Distillery in mein Blickfeld gerieten, handelte es sich um sechsjährige Destillate aus dem ex-Bourbon-Fass. Gerade bei dieser Destillerie ist diese Maturation mein Favorit, offenbart sie doch den Brennereicharakter, der neben einer schönen Torfnote immer auch eine gewisse Dreckigkeit, also Ecken und Kanten mitbringt. Inzwischen liegt der Fokus häufig auf zehnjährigen Abfüllungen. Andere Abfüller haben vergleichbares im Angebot. Das werde ich demnächst mal in einem Quervergleich testen. Doch zunächst zum aktuellen Bottling der Brothers in Malt:

Überraschend hell finde ich das Sample. Es erinnert mich an sehr hellen Weißwein. Ohne den Vergleich zu den anderen Samples sieht es im Glas schon fast klar aus. Nach zehn Jahren ist das schon ungewöhnlich. War es vielleicht ein Refill-Hogshead? Möglich. Fest steht aber, dass abweichend vom Sample die Abfüllung selbst eine Spur kräftiger ausgefallen ist und mit 56,7 % daherkommt.

In der Nase fällt als erstes das schöne malzige Aroma auf, das von etwas Vanille begleitet wird. Auch die Torfnote wirkt zu nächst verhalten. Das täuscht aber, denn ein paar Minuten im Glas öffnen den Malt. Die Aromen werden deutlich kräftiger. So mag ich das! Etwas Salz kommt dazu, getrockneter Rosmarin mischt sich darunter. Etwas später kommt noch eine Fleischigkeit dazu, die mir gut gefällt. Rund und passend macht er mit genau den Ecken und Kanten, die ich an Ledaig liebe, Lust darauf, ihn zu probieren.

Also nicht lang schnacken … nein, nein, nein. So trinke ich meinen Whisky nicht. Erst recht keinen, den ich noch nicht kenne. Vorsichtig nehme ich den ersten Nipp. Das Mundgefühl überrascht mich mit einer erstaunlichen Weichheit. Auch hier ist das Malz als erstes präsent. Das schmeckt nach Cornflakes. Wie bei diesen ist eine leichte Süße vorhanden, die sich nicht in den Vordergrund drängt. Dazu ein Hauch Vanille, sehr fein ausbalanciert. Kaum ist das aufgedröselt, kommt der Alkohol durch. Jetzt wird es kräftig! Nicht unangenehm oder brennend. Die Aromen werden einfach nur deutlich ausdrucksstärker. Jetzt kommt auch der Rauch so richtig zur Geltung, füllt den Mundraum. Aber irgendjemand hat da noch ein paar Kräuter ins Feuer geworfen. Rosmarin ist vorhanden, Thymian kommt dazu. Dadurch bekommt der Rauch eine eigene Note, die ich so von Ledaig noch nicht kannte. Das macht ihn für mich aber spannend und es gefällt mir sehr!

Dieser kräuterige Rauch, gepaart mit einer leichten Süße, ist es auch, was von diesem wundervollen Malt im Hals bleibt. Nach und nach setzt sich die Süße dabei durch und kommt erst hinten raus richtig zur Geltung. Der Eindruck bleibt nicht zu lange erhalten. Das ist in diesem Fall nicht schlimm, man kann sich ja noch einen einschenken.

Fazit: Well done, Brothers in Malt! Ein Ledaig, der mich überrascht. Einerseits die typischen Noten, die ich an Ledaig liebe. Daneben aber frische Aromen von Kräutern, die völlig neue Eindrücke mit sich bringen. Das ergibt eine Kombination, die ich so noch nicht im Glas hatte und die mir sehr gut gefällt!

Ledaig 22yo

Ledaig! 22 Jahre alt! Zumindest für mich die älteste Abfüllung dieser Destillerie, die ich bisher im Glas hatte. Die Whiskybase listet zwar auch über 30-jährige auf. Aber so wie die Brothers in Malt unterwegs sind, dürfte das nur noch eine Frage der Zeit sein. Wie kommt man als unabhängiger Abfüller eigentlich an solch ein Fass? Wie so oft im Leben spielte der Zufall eine gehörige Rolle. Da hatte jemand zusammen mit einem schottischen Freund vor langer Zeit Whiskyfässer gekauft und lagern lassen. Der Freund ist mittlerweile verstorben und so stellte sich dem anderen die Frage, was er als Laie mit den Fässern macht. Da er kurz davor einen Zeitungsartikel über einen Whiskysommelier aus der Nähe gelesen hatte, sprach er diesen an. Der wiederum brachte die Brothers in Malt ins Spiel und so kam zusammen, was zusammen gehört. Ein private cask also. Schöne Geschichte zu diesem Whisky, auf den ich mich sehr freue.

Optisch an helles Stroh erinnernd bilden sich nach dem Schwenk im Glas sehr langsam sehr feiner Schlieren, die sich auf ihrem Weg zurück zum Dram viel Zeit lassen. Auch hier liegt eine Reifung in einem Hogshead vor, auch hier beschleicht mich die Vermutung, dass das Fass nicht zum ersten Mal mit Whisky befüllt wurde. Sehr schön, verspricht das doch, den Brennereicharakter noch deutlicher zu zeigen. Andererseits stellt sich die Frage, wie es mit selbigem nach 22 Jahren im Fass aussieht. Neigen doch gerade getorfte Whiskys dazu, einen Teil ihrer Rauchigkeit zu verlieren. Mal riechen wie es hier aussieht.

Die erste Nase ist schon verheißungsvoll. Süße steigt auf, aber nicht flüchtig und leicht, sondern beeindruckend schwer und voluminös. Dabei ist sie nicht aufdringlich und spielt sich in den Vordergrund, sondern lässt auch Platz für andere Aromen. Eine Spur Früchte nehme ich wahr, nicht ganz reife Erdbeeren. Die Süße entpuppt sich als brauner Zucker. Und der Rauch? Ist erwartungsgemäß nicht so präsent wie bei jüngeren Abfüllungen. Dafür wirkt er warm, wie der eines prasselnden Feuers mit fast durchgetrocknetem Holz. Sanft kommt er daher und hüllt die anderen Aromen ein, bindet sie zu einem schönen Bukett.

Im Mund dann ein ähnliches Bild. Allerdings kräftig, würzig, richtig vollmundig. Den Mundraum füllt der Nipp sofort aus, schmiegt sich cremig bis in die letzte Ecke. Gebuttertes Shortbread kommt mir in den Sinn, das recht süß geraten ist. Vanillepudding. Dabei ist der Alkohol gut eingebunden und ist in seiner Stärke nicht zu definieren. Die liegt übrigens mit 56,0 % ebenfalls geringfügig über der des Samples. Der Torfrauch ist hier ebenfalls eher unaufdringlich und noch am deutlichsten retronasal zu spüren. Im Mund derweil leichte Kräuternoten zum Shortbread, getrocknete Kräuter, die ihr Aroma erst nach und nach entfalten. Dabei wärmt der Schluck schon im Mund und lässt ein wohliges Gefühl durch den Körper strömen. Zum Ende hin trockener werdend, rundet dies das geschmackliche Empfinden der deutlichen Süße spürbar ab. Dabei kommt auch der Torf eine gute Spur deutlicher zum Vorschein.

Das Gefühl bleibt im Hals erhalten, recht lang sogar. Eine volle Süße bereitet dem Rauch den Weg und man kann gut verfolgen, wo der Dram gerade wärmt.

Fazit: Ein gesetzter Herr mittleren Alters, den man schwer mit jungen, ungestümen Vertretern seiner Art vergleichen kann. Das braucht man auch nicht, denn er kommt selbstbewusst, gesetzt daher – und trifft dennoch genau meinen Geschmack. Für einen Ledaig mag er vielleicht eine Spur ungewöhnlich wirken, aber wer hatte schon einen Dram dieser Destillerie in vergleichbarem Alter im Glas? Der kommt mir auf jeden Fall ins Regal!

Vielen Dank an die Brothers in Malt für die Samples. Meine Meinung haben diese nicht beeinflusst. Die ist immer meine eigene.

Eins noch zum Schluss: Die beiden anderen Samples aus dem ersten Bild kommen später in die Flasche. An dieser Stelle nur so viel: Das wird spannend!

Links

Whiskybase: 
– 10yo: https://www.whiskybase.com/whiskies/whisky/102164/ledaig-2006-bim
– 22yo: https://www.whiskybase.com/whiskies/whisky/102163/ledaig-1994-bim
Destillerie: http://tobermorydistillery.com/
Abfüller: http://www.brothers-in-malt.de/

Tasting-Notes #0036, #0037

Messe Aquavitae 2017

Erneut lädt die Firma Rolf Kaspar GmbH in die Stadthalle Mülheim an der Ruhr. Präsentiert werden am 14. und 15. Oktober 2017 hochwertige Destillate: Whisky, Gin, Rum, Cognac, Grappa, Obstbrände und vieles mehr. Probiere neue Abfüllungen an den Ständen der Aussteller. Finde alte Schätze und längst vergriffene Abfüllungen. Fachsimpele mit Ausstellern oder anderen Besuchern. In diversen Tastings präsentieren Fachleute ausgewählte Spezialitäten. Tickets für die Messe und die Tastings können über die Messe-Website vorab gebucht werden

Mich findest du am Stand vom Whiskyhort Oberhausen