Naranjas del Carmen – ein eigener Orangenbaum

Bewusster Genuss hat in meinen Augen auch etwas mit Verantwortung zu tun. Dazu zählen für mich nach Möglichkeit Einkäufe bei lokalen Anbietern, art- und umweltgerechte Produktion, faire Preise von denen der Erzeuger auch leben kann und Nachhaltigkeit. Klar, das kostet mehr, als alles im Discounter einzukaufen, aber entgegen der Werbung ist Geiz halt eben nicht geil, schon gar nicht auf Dauer.

Unter anderem diese Gedanken unterstützt ein junger facebook-Freund, dessen Ansichten und Denkanstöße zu derlei Themen ich sehr schätze. Er berichtete unlängst von einem Projekt, das mich auf Anhieb faszinierte. Nachdem ich mich ausführlich darüber informiert habe, kam ich zum Entschluss, es ihm gleich zu tun:

Ich habe einen Orangenbaum gekauft!

Wie denn? Wo denn? Was denn? Ganz einfach: In der spanischen Region Valencia haben die Geschwister Gabriel, Gonzalo, Fernando und Patricia Urculu vor sieben Jahren die Familienfarm übernommen. Neben den für die Region typischen Zitrusfrüchten werden dort auch Honig und Olivenöl gewonnen. Ebenso sind Clementinen, Zitronen und Grapefruits sowie diverse Gemüsesorten erhältlich. Den Schwerpunkt bilden jedoch die Orangen. Angesichts von teilweise unter den Produktionskosten liegenden Erträgen bei deren Verkauf an die Großhändler drohte der Familie Urculu jedoch das gleiche Schicksal wie vielen anderen Bauern vor Ort: Finanzieller Ruin und damit einhergehende Aufgabe des Betriebes.

Die Geschwister Urculu gehen jedoch einen anderen Weg: Sie haben im November 2015 das Crowdfarming eingeführt. Das funktioniert so: Man kauft einen Orangenbaum auf ihrer Farm, der neu angepflanzt wird. Dafür werden einmalig 80 EUR von der Kreditkarte abgebucht, in den Folgejahren jeweils 60 EUR für die Bewirtschaftung und Pflege. Nur am Rande sei bemerkt: Die Pflanzen werden nicht gespritzt, die geernteten Orangen nicht gewachst. Klingt bis dahin schon ganz gut. Mit dem Kauf des Baumes erwirbt man gleichzeitig das Recht, während der Erntezeit von Januar bis April 80 kg Orangen zu erhalten, in den Monaten November und Dezember auch in Form von Clementinen. 80 Kilogramm – das entspricht der durchschnittlichen Ernte eines Orangenbaumes. Bis der eigene Baum Früchte trägt, wird man aus dem Altbestand beliefert. Dieses Kontingent kann man sich je nach Bedarf in Paketen von 10 bis 30 kg per UPS liefern lassen. Je nach Paketgröße fallen 25 bis 35 EUR für Ernte, Verpackung und Versand an. oder anders herum ausgedrückt: Im ersten Jahr kostet das Kilogramm Bio-Orangen 2,50 EUR, in den Folgejahren 2,25 EUR. Ja, das ist teurer als die saisonalen Angebote im Discounter hier im die Ecke, die teilweise mit Kilo-Preisen von 0,,99 EUR arbeiten. Dennoch finde ich den Ansatz richtig und habe mich dazu entschlossen das zu unterstützen. Die Gründe dafür sind:

  • Orangen werden in unserem Haushalt mindestens in Form von Saft täglich verzehrt.
  • Die Früchte werden ohne Chemie produziert, sind Bio. Sogar die Schale kann gegessen werden.
  • Es wird nur produziert, was bestellt verkauft. Vernichtete Überschüsse sind passé.
  • Durch die Anpflanzung neuer Bäume ist die Nachhaltigkeit gegeben.
  • Der Preis ermöglicht es dem Bauern und seiner Familie, von ihrer Arbeit zu leben.
  • Die Mitarbeiter auf der Farm sind keine Saisonkräfte, sondern fest angestellt.

Sieht so die Landwirtschaft der Zukunft aus? Das weiß ich natürlich nicht. Aber ich halte es für einen unterstützenswerten Ansatz und werde es probieren. Für dieses Jahr habe ich zu spät von diesem Angebot erfahren, die aktuelle Saison ist gerade beendet. Schon jetzt bin ich aber gespannt, wie es ab November läuft!

Du findest diese Idee genauso faszinierend wie ich? Hier kannst du dich weiter informieren:
TV-Bericht im auslandsjournal des ZDF: https://www.zdf.de/politik/auslandsjournal/auslandsjournal-clip-4-126.html
Homepage Naranjas del Carmen: https://www.naranjasdelcarmen.com/ 

 

Kochstudio Maashof

 

Wer mich näher kennt, weiß, dass ich gutes Essen durchaus zu schätzen weiß. Seit einigen Jahren habe ich zudem auch Freude daran gefunden, es selbst zuzubereiten. Aus der Not heraus, es plötzlich zu  müssen, wurde ein „Wer lesen kann, kann auch kochen.“ Ganz so ist es nicht, wie ich inzwischen festgestellt habe, aber der Anfang war gemacht. Mittlerweile finde ich es wunderbar entspannend, nach einem anstrengenden Tag oder auch gerade am Wochenende mit der Liebsten zusammen zu kochen. Anschließend dann zu sehen, wie es anderen schmeckt, ist das Tüpfelchen auf dem „i“.

DAS KOCHSTUDIO

Durch facebook-Fotos von Bekannten inspiriert, wurde ich vor knapp zwei Jahren auf das Niederrheinische Kochstudio Maashof aufmerksam. Seit Mai 2009 veranstalten hier die Eheleute Brigitte und Ludger Mai im ehemaligen Kälberstall auf dem Hof ihrer Eltern Kochabende. Obwohl nur wenige Kilometer entfernt, war das meiner Aufmerksamkeit bis dahin völlig entgangen. Also nichts wie hin – inzwischen zu fünf verschiedenen Kursen.

  • Mediterrane Küche zum Altweibersommer
  • Rock around the Grill
  • Steaks & Co. 
  • Fischküche zum Aschermittwoch
  • Rundreise durch die Küche Asiens

Neben solchen Kursen, zu denen man sich frei anmelden kann, was man nach Erscheinen des Newsletters auch tunlichst innerhalb kürzester Zeit sollte, gibt es regelmäßig auch geschlossene Veranstaltungen von privaten oder beruflichen Gruppen. Der rund 120 qm große Kälberstall wurde dafür komplett renoviert und mit moderner Technik ausgestattet. Vier Kochstationen, jeweils komplett mit Töpfen, Pfannen, Schneidbrettern, Schüsseln, Messern und sonstigen Arbeitsmitteln sowie Besteck ausgestattet ermöglichen ein konzentriertes Arbeiten.

DER ABLAUF

Zu Beginn der Veranstaltung werden die Teilnehmer mit einem alkoholfreien Aperitif willkommen geheißen, bevor es an das gemeinsame Studium der Rezepte geht. Je nach Teilnehmerzahl der Veranstaltung werden die Kochwilligen danach in Gruppen von zwei bis vier Personen eingeteilt, die sich jeweils an einem der bis zu sieben Gänge versuchen. Anschließend erfolgt eine kurze Einweisung an den Arbeitsplätzen, wo die für den jeweiligen Gang benötigten Zutaten schon bereit stehen. Und los gehts! Die Eheleute Mai sind vom Fach, Brigitte als Oecotrophologin mit langjähriger Erfahrung als Lehrerin an einer Familienbildungsstätte, Ludger als weltweit tätiger Koch in Diensten eines Großküchenherstellers. Beide geben ihr Wissen den Teilnehmern gerne und mit viel Spaß an der Sache weiter. Hier nutze ich gerne den intensiven Austausch, lasse mir zeigen, wie ich die Werkzeuge noch besser verwenden kann, hole mir Hintergrundinformationen sowie Tipps und Tricks für den Umgang mit den einzelnen Zutaten. So finden immer wieder Dinge den Weg in die heimische Küche, die mir dort die Arbeit erleichtern oder die Speisekarte bereichern. Auch die anderen Teilnehmer, egal ob Kochanfänger oder erfahrener Hobbykoch, sind mit Feuereifer und viel Spaß bei der Sache. Überall wird geschnibbelt, geputzt, gewürfelt, gerührt, gebrutzelt und dabei viel gelacht. Informationen werden ebenso ausgetauscht wie einzelne Zutaten. Was nicht mehr benötigt wird, wird direkt gespült. Nach und nach füllen die Düfte den Raum und machen Appetit. Auch der Blick an die anderen Arbeitsplätze lohnt immer wieder mal, nicht nur, wenn die Kursleiter um Aufmerksamkeit bitten, um den einen oder anderen Zubereitungsschritt zu erklären.

An die Zubereitung der einzelnen Speisen schließt sich der gemeinsame Verzehr an. So wie die einzelnen Gerichte gerade fertig sind, kommen sie dekorativ auf die Teller und werden serviert. Dass dabei nicht immer die Reihenfolge des Menüs eingehalten wird, liegt an der unterschiedlichen Geschwindigkeit der Teilnehmer, tut aber letztlich nichts zur Sache. Haben auch alle Teilnehmer anhand der Unterlagen die Rezepte zur Hand, findet beim Essen ein reger Austausch statt, wie denn nun das eine oder andere konkret angegangen wurde. Begleitet von Mineralwasser, Wein und Bier werden die Speisen verzehrt. Sehen die einzelnen Portionen meist eher übersichtlich aus, macht es wieder einmal die Summe und man ist nach Abschluss aller Gänge in jeder Hinsicht sehr gut gesättigt. Gerne wird der abschließende Kaffee oder Espresso angenommen, bevor es – wieder gemeinsam  – daran geht, alles zu spülen und zu säubern.  Und schon sind seit Beginn des Kurses um 19:00 Uhr rund drei bis vier Stunden vergangen und der Abend endet.

DAS MENÜ

Nach vorheriger Absprache mit den beiden Inhabern des Kochstudios und der Einwilligung der Teilnehmer des Kurses „Fischküche zum Aschermittwoch“ habe ich an jenem Abend Fotos und einige Notizen gemacht, die den Kern des Beitrags bilden. An diesem Abend gab es

  • Forellenmousse mit Gurkensalat
  • Geräuchertes Forellenfilet mit Meerrettichcreme
  • Fischsuppe mit Aioli
  • Spinat-Linsen mit Kabeljau
  • Lachs-Kartoffel-Gratin
  • Forelle mit Zitronenbutter
  • Rote Grütze

SPINAT-LINSEN MIT KABELJAU

Selbst gewerkelt habe ich an den Spinat-Linsen mit Kabeljau. Gerade wegen ersterem hatten die Liebste und ich uns für dieses Rezept gemeldet. Schalotten und Knoblauch wurden in Öl glasig angeschwitzt, zu den Linsen gegeben und die Mischung mit Lorbeerblatt und Muskatblüte in Wasser geköchelt. Parallel dazu wurden grob gehackte Walnüsse in Butter angebraten und mit Balsamico-Essig übergossen. Die Linsen, inzwischen al dente, kamen mit in die Pfanne, Salz, Pfeffer und Butter dazu gegeben, schließlich kurz vor dem Servieren der gewaschene Spinat, der nur noch zerfallen brauchte. In der Zwischenzeit wurde aus Zitronensaft, Olivenöl, Salz und Pfeffer ein Dressing angerührt sowie die Kabeljaufilets mit Pfeffer und Salz gewürzt und in Öl gebraten, bis der Fisch nur noch im Kern glasig war. Auf einem Bett aus Spinat-Linsen wurde der Kabeljau auf dem Teller angerichtet und mit dem Zitronen-Dressing beträufelt. Es war fantastisch!

Bleibt noch eine Frage offen: Was kostet so ein Abend im Kochstudio Maashof? Das hängt vom jeweiligen Kurs ab. Bisher habe ich jeweils rund 40 EUR pro Person bezahlt. Lediglich der Kurs Steak & Co. war aufgrund der verwendeten Zutaten mit 48 EUR etwas teurer. Ich finde die Preise mehr als fair. Vergleiche ich das mit einem mehrgängigen Menü im Restaurant, zahle ich dort deutlich mehr. Okay, im Kochstudio erfolgt die Zubereitung eigenhändig, aber nicht zuletzt deshalb nehme ich ja auch daran teil. Mein Fazit: Ich warte schon gespannt auf das Programm für das zweite Halbjahr und komme gerne wieder!

LINKS

Homepage des „Kochstudio Maashof“: http://www.kochstudio-maashof.de/
Facebook-Seite des „Kochstudio Maashof“: https://www.facebook.com/kochstudiomaashof

Haus Aspel

Blühender Magnolienbaum vor dem Haupteingang der ehemaligen Schule.

 

Frühjahr, Zeit der Magnolienblüte. Für mich immer ein willkommener Anlass, an einen Tatort meiner Jugend zurückzukehren.

Die letzten fünf Jahre meiner Schullaufbahn verbrachte ich an einem besonderen Ort. Während vielerorts Schulen reine Zweckbauten sind, in denen Hunderte Heranwachsende und ihre Lehrerinnen und Lehrer einen nicht unerheblichen Teil des Tages zusammengepfercht sind, hatte ich das Glück, ab der 9. Klasse in einem mittelalterlichen Schloss im Nachbardorf die Jahre bis zum Abitur verbringen zu dürfen. Wenn dort auch das eine oder andere eher suboptimal war – für Jugendliche ist die Lage schon wirklich kurz vor dem berühmten A… der Welt und im Winter fiel auch gerne schon mal tagelang die Heizung aus – hatten das Gebäude und die Umgebung schon ein besonderes Flair. Direkt an einem kleinen See, dem Aspeler Meer, gelegen, auf dem sich sogar eine Insel befindet, die man über eine kunstvolle Brücke erreichen kann, hatte diese Lage mitten in der Natur schon etwas sehr entspanntes. Klar gab es auch die unter Heranwachsenden üblichen Rangeleien und auch Raufereien. Auf mich hat es dennoch immer schon so gewirkt, als ob die alten Gemäuer eine besondere Ruhe ausstrahlten. Dazu das ganze Grün drumherum, das Vogelgezwitscher, das Rauschen des Windes in den Blättern der Bäume und maximal der über die Nachbarfelder tuckernde Trecker – das waren die Geräusche, die man bei geöffneten Fenstern während des Unterrichts vernahm. Und dann war da noch der Innenhof, der das Nonnenkloster im linken und die Schule im rechten Flügel miteinander verband. Jener Innenhof, auf dessen Rasenfläche vor dem offiziellen Eingang der Schule ein Magnolienbaum stand. Jedes Frühjahr war es eine Pracht, wenn er in voller Blüte stand. Jedes Jahr habe ich diesen wunderschönen, fast majestätischen Anblick genossen. Und auch heute, über 30 Jahre später zieht es mich alljährlich zur Zeit der Magnolienblüte an diesen Ort, der auch heute noch einen eigenartigen Zauber auf mich ausübt. Das Lachen der Kinder, ihr Geschrei bei den Spielen in den Pausen, das Läuten der Klingel, das wieder in die Klassen rief, die Stimmen, die während meiner Freistunden auf den Hof drangen – all das habe ich wieder im Ohr, wenn ich unter dem Baum stehe und diese Pracht genieße.

Blick vom Innenhof in Richtung Aspeler Meer. In Bildmitte die Bäume auf der Insel.

 

Die Schule ist kurz nach meinem Abitur in einen Neubau des Reeser Schulzentrums gezogen.Sicher lernen, lachen und spielen die Kinder und Jugendlichen dort genauso wie wir damals im Schloss. Frieren werden sie bestimmt nicht. Aber ich bin mir sicher, dass ihre Umgebung nicht so schön ist. Einen Magnolienbaum gibt es dort jedenfalls nicht. Schade, dass der Film, den ein ehemaliger Mitschüler anlässlich des Umzugs Schüler gedreht und in dem er die Stimmung dieses besonderen Ortes auf unnachahmliche Weise eingefangen hatte, nicht online verfügbar ist. Ich muss mal wieder meine Videokassetten durchsuchen, wo mein Mitschnitt abgeblieben ist.

LINKS

Website des Klosters Haus Aspel: http://www.hausaspel.de/
Die Geschichte des Hauses Aspel bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Aspel
Website des heutigen Gymnasiums Haus Aspel: http://www.gymnasiumaspel.de/