Neues von Scotch Universe

 

Bereits zweimal durfte ich neue Bottlings von Scotch Universe verkosten. Beide Male war ich schwer beeindruckt, wie hier und hier nachzulesen ist. Mitte dieser Woche erreichte mich ein neues Päckchen aus dem Großraum Münster. Sehr gespannt auf den Inhalt habe ich mich gleich daran gesetzt, die sechs Samples zu verkosten. Meine Eindrücke schildere ich nachfolgend, ausnahmsweise mal eher kurz, was ja eigentlich nicht meine Art ist. Wie immer völlig unbeeinflusst von der Herkunft der Samples.

ALPHA CENTAURI III

An Weißwein erinnernd schimmert der Dram im Glas. Bereits beim Einschenken fällt mir die leichte Fruchtnote auf. Frische, grüne Weintrauben, gepaart mit Melone. Früchte? Für ein Ex-Bourbon-Fass nicht wirklich gewöhnlich. Gut, die erwartete Vanille ist auch zu finden. Ebenso eine schöne malzige Note, die mich an trockenen Mürbeteig erinnert. Dazu eine nicht zu aufdringliche Süße. Die Nase macht schon mal Appetit.

Nach einigen Minuten, in denen er sich im Glas öffnen durfte, dann der erste Schluck. Die Trauben sind jetzt deutlicher, machen sich als erstes bemerkbar. Keks gesellt sich dazu, wird etwas später ausgeprägter erinnert an Butterkeks, den mit den 52 Zähnen.  Ein paar Raspel weißer Schokolade hat offensichtlich auch noch jemand darüber gestreut. Mir gefällt die Mischung! Auch die sehr spät aufkommende Prise frisch gemahlener Pfeffer passt dazu, rundet den Dram für mich ab. Gäbe es den bekannten Doppelkeks statt mit Schokoladen- mit einer Weintraubenfüllung – genau so würde er schmecken! Notiz an mich: Montag bei de Beukelaer anrufen.

Mittellang bleibt er im Abgang. Malz und Keks sind vorherrschend, der Keks wird buttriger. Eine leichte Süße umschmeichelt den verbleibenden Rest der Trauben. 

Ein toller Starter, der mich mit den Fruchtnoten und der schönen Komposition der Eindrücke überrascht. Bitte mehr davon!

SOLAR FLARE GAMMA

Auch der zweite kommt aus einem Ex-Bourbon-Fass. Es handelt sich um einen Blend, satte 22 Jahre ist er alt. Dafür ist er mit 55,9 % noch gut im Futter. Klar, dass er etwas dunkler daher kommt, als der Alpha Centauri III. Satt golden scheint er von innen heraus zu leuchten. Das Alter ist für meinen Geschmack direkt in der Nase spürbar. Er wirkt sofort voluminös und komplex, kommt dabei trocken daher. Heidekraut und Thymian bilden eine würzige Grundlage, scheinen mit einer Prise Salz gewürzt. Anis und Muskat passen hervorragend dazu, auch die kaum wahrnehmbare Torfnote. Deutlicher ist da der malzige Eindruck. Und noch eine Note ist dabei, die ich erst nach mehrmaligem Verkosten zuordnen kann: Veilchen. Sehr spannend!

Im Mund wiederholt sich der Eindruck. Würzig und kräftig ist er, füllt den Mundraum voluminös aus. Die Torfnote ist hier deutlicher aber immer noch eher im Hintergrund. Viel präsenter sind die Veilchen, erinnern mich zusammen mit den würzigen Eindrücken an diese violetten Lutschpastillen eines großen deutschen Süßwarenherstellers südlich von Köln. Viola heißen die Dinger, die ich übrigens gerne mag. Sehr ungewöhnlich, aber ich mag bekanntermaßen auch gerne Whiskys mit Ecken und Kanten. Die hat dieser hier definitiv! Auch wenn sie im Laufe der Zeit etwas abnehmen und der Dram milder und runder wird. Dadurch bekommt er eine weiche Note, die ihn komplett anders wirken lässt. Sehr schön!

Ebenfalls mittellang bleibt er mit Würze und einer sehr angenehmen Weichheit.

Den finde ich mal richtig ungewöhnlich. In sich toll und stimmig, genau mein Ding, aber ich wage zu behaupten, dass er nicht jeden Geschmack trifft. Muss er auch nicht.

ALTAIR I

8 Jahre alt, First Fill Oloroso Sherry Hogshead. Die satt goldene Farbe lässt sich damit gut erklären. Und auch die Aromen, die mir nach dem Einschenken entgegen strömen, passen gut in die Richtung. Blockmalz, karamellisierter Pfirsich, Rohrzucker, Pflaume, dunkler Kakao. Schnell wechseln sie einander ab, lassen den Malt dunkel und schwer wirken. 

Das war aber nur die Nase. Oral geht der erst richtig ab! Kräftige Sherry-Noten, richtig dunkler Kakao, Rosinen und leicht erhitzter Rohzucker bilden das Fundament. Der Pfirsich ist inzwischen dunkler geworden, Zuckerrübensirup kommt dazu. Das Mundgefühl ist unglaublich weich. Pflaumen mischen sich wieder in die Melange, Pfefferkuchen. Herrlich! Der macht mir richtig Spaß!

Spaß bis zum Schluss! Sehr lang, würzig, wärmend, irgendwie dunkel bleibt der Eindruck schier ewig erhalten. 

Aus der Destillerie hatte ich bisher wenig vergleichbares im Glas. Großes Kino!

ANDROMEDA III

Zwei Tage habe ich die ersten drei sacken lassen, jetzt wird es rauchig! Beim ersten noch dazu ein Wein-Fass. Solch eine Kombination hat mir in der Vergangenheit bereits mehrfach sehr gut gefallen, daher bin ich mehr als neugierig! Einen schönen Kupferton hat der Whisky im Fass bekommen. Monbazillac ist übrigens ein dem Sauternes ähnlicher süßer Weißwein, der aus edelfaulen Trauben gewonnen wird. Eingeschenkt und etwas Zeit im Glas gegeben entfaltet sich eine unglaubliche Süße, sehr vanillig, dazu eine fruchtige Weinnote. Leicht erdige Noten und Torf halten dagegen und lassen den Dram ausgewogen erscheinen. Zeit, ihn zu probieren.

Ist! Der! Süß! Vanille, Rohrzucker. Dann kommt der Torf. Der Whisky ist extrem weich und mild im Mundgefühl. Die Weintrauben wirken sehr dunkel, im Hintergrund nehme ich Pfirsich wahr. Nach und nach werden Süße und Torf deutlicher. Das alles aber in einer Intensität, die schier unglaublich ist. Der Alkohol, immerhin 59,3 %, ist fantastisch eingebunden und in der Stärke wirklich nicht zu spüren. Schmackofatz, was ist das ein Leckerchen! Ich muss mich bremsen, nicht das ganze Sample zu trinken, möchte ich doch bei anderer Gelegenheit noch einmal verkosten. Diese Süße … richtig krass!

Das bleibt auch im Hals so. Süß und torfig. Lange. sehr lange!

Aus der Destillerie hatte ich vor Jahren schon einmal einen Einstiegs-Raucher, der mir sehr gefiel, inzwischen aber vom Markt genommen wurde. Das hier ist aber eine völlig andere Welt – die mich begeistert! Auf den noch einen draufsetzen? Das wird schwer. Die drei getorften habe ich mir nach steigendem Alkoholgehalt und nach erwarteter Torf-Intensität sortiert. Aber diese beeindruckende Kombination wird schwer zu toppen sein.

PEGASUS III

Der Pegasus I ist ja einer meiner erklärten Lieblinge der letzten zwölf Monate. Laut Etikett ist es die gleiche Destillerie. Das Fass ist diesmal jedoch ein anderes. Sherry. Gefiel mir unlängst bei der 11-jährigen Vollreifung eines anderen unabhängigen Abfüllers nicht wirklich. Der Brennerei-Charakter, den ich sehr schätze, blieb dabei auf der Strecke. Deshalb bin ich skeptisch. Einen Hoffnungsschimmer verspricht die mit sieben Jahren kürzere Maturation. Ebenfalls rotgold sieht er aus, sehr schön, warm anmutend.

Die Nase ins Glas. Sie nimmt Karamell wahr, Torf. Den allerdings nicht so präsent wie erwartet. Rosinen, Zimt, reife Pflaumen. Alkohol? Keine Spur. 61,0 %? Im Leben nicht, meldet meine Nase und will sich nicht überzeugen lassen. Statt dessen taucht sie weiter in die Aromen ein, entdeckt Demarara-Zucker, dunkles Toffee. Grandios! So viel Spaß hat mir schon lange keine Sherry-Fass-Abfüllung mehr gemacht. Wie soll der erst schmecken?

Cremig ist er, beinahe samtig, weich und rund. Süß ist er auch mit richtig viel Toffee. So wie das Zeug, das mein Vater früher immer aus England mitbrachte. Im Mund ist der Torf präsenter. Auch die für die Destillerie so typische Note finde ich jetzt zu meiner Freude wieder. Und holla, jetzt auch noch Räucherspeck! Der wird an der Luft ja immer besser! Jeder weitere Schluck beschert neue Aromen, lässt die vorigen ausgeprägter erscheinen. Trotz seiner Jugend darf man dem ruhig einige Ruhezeit im Glas geben. Vielleicht auch gerade deshalb, denn im Fass hatte er ja noch nicht zu viel davon. Wunderbar, dass der Brennerei-Charakter erhalten geblieben ist. Der reiht sich problemlos neben die beiden Best-Dram-Abfüllungen aus Ex-Bourbon-Fässern aus meinem Whiskyschrank. Allein schon, dass der Alkohol auch im Mund so gut wie nicht zu spüren ist, fällt mir schwer zu glauben. Wasser braucht der definitiv nicht.

Außerdem hat man lange etwas davon, denn im Hals bleibt er. Süß, torfig, speckig. Das will gar nicht aufhören.

Wenn ich auch ziemlich viel probiere, kann ich nicht alle Abfüllungen kennen. Von den Sherry-Fass-Abfüllungen dieser Brennerei jedoch, die ich bisher im Glas hatte, ist diese hier in meinen Augen aber mit Abstand die beste!

IO II

Okay, einer geht noch. Auch wenn dieser gar nicht mit dem nächsten Bottling noch in diesem Monat erscheint, sondern erst im Oktober. Daher gibt es auch noch kein Label, da der Alkoholgehalt nicht feststeht. Dem Sample-Fläschchen nach ist er der stärkste aus dem Sextett. Da freue ich mich doch, den schon jetzt probieren zu dürfen, nicht zuletzt auch, weil ich den Io I für die beste junge Bourbon-Fass-Abfüllung dieser Destillerie halte. Zu gern möchte ich erkunden, was es mit diesem satt golden leuchtenden Dram auf sich hat.

Der erste Eindruck in der Nase ist, vorsichtig ausgedrückt, überraschend. Man hat mir den Torf geklaut! Wo ist der hin? Diese Destillerie kenne ich gar nicht ohne. Okay, so langsam kommt er. Aber eher als Andeutung, erst sehr langsam etwas präsenter werdend. Süßer Frühlingshonig, malzig, langsam trocknend, und dann taucht da doch noch verhalten eine medizinische Note auf. Sehr spärlich und zurückhaltend. Ansonsten eher an Sandkuchen erinnernd, ein paar kleine Schokostreusel eingeschlossen. Erst im Laufe der Zeit wird er etwas speckiger in der Nase.

Den ersten Nipp über die Lippen und dann knallt es ! Da ist der Torf! Aber sowas von! Geil! Unverkennbar ist nun die Brennerei. Im wahrsten Sinne und im Gegenteil des geflügelten Wortes ist hier viel Rauch um etwas. In die phenolische Note mischt sich etwas Räucherspeck. Dadurch wirkt es nicht mehr ganz so wie ein Medizinschrank. Dabei ist er weich und süß. Honig, Thymian, eine schöne Malznote. Die Kombination gefällt mir gut. Auch die inzwischen sehr kräftige Torfnote. Allein die Wucht der ganzen Aromen lässt auf den Alkoholgehalt schließen. Ansonsten kein Brennen, kein Prickeln, gar nichts. Man muss ihn schon recht lange im Mund behalten, damit er in seiner Kraft spürbar wird. 

Dass man ihn gar nicht mehr hergeben möchte, findet in dem nicht enden wollenden Abgang seine adäquate Fortsetzung. Kräftiger Rauch, eine schöne Süße, mehr braucht es nicht.

FAZIT

Schwierig, hier ein vernünftiges Fazit zu ziehen. Favoriten? Noch schwerer. Es war mir ein Vergnügen, sie verkosten zu dürfen. Alle haben mir gefallen. Der Solar Flare Gamma weil er sehr ungewöhnlich ist. Alpha Centauri und Altair weil sie in ihrer Ausprägung einfach zu gefallen wissen. Und die drei Raucher, weil das eh meine Lieblinge sind und hier in beeindruckenden Versionen sicherlich über kurz oder lang meine Bar bereichern werden. 

Von den Destillerien habe ich hoffentlich nicht zu viel verraten. Die Freude beim Entziffern der Label wollte ich euch nicht nehmen. Dabei wünsche ich euch viel Spaß!

Vielen Dank Michel Reick und Alexander Springensguth für die Samples.

Tasting-Notes #0035 – #0040

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