Allt-á-Bhainne 2008 Wh

Alta, was? Nun, die Erzeugnisse der Destillerie trifft man auch im gut sortierten Fachhandel nicht allzu häufig an. Wenn überhaupt, dann sind Flaschen von unabhängigen Abfüllern zu finden. Daher geht der Name doch recht schwer über die Zunge. Dass sich die Betrachtung jedoch durchaus lohnen kann, hat mir dieses Sample gezeigt.

WAS

Name: Allt-á-Bhainne 2008 Wh
Kategorie: Single Malt
Destillerie: Allt-á-Bhainne
Region: Speyside
Abfüller: Whiskyhort
Destilliert: 2008
Abgefüllt: ab dem 29. September 2017 als handfilled
Alter: 9 Jahre
Fasstyp: Ex-Bourbon Cask, Ex-PX-Sherry Cask
Fassnummer: 
Alkoholgehalt: 59,4 %
Inhalt: 0,7 l
Aktueller Straßenpreis: 79,90 EUR

DESTILLERIE

Allt-á-Bhainne, im Freundeskreis mit Altabeijn fast genauso ausgesprochen (und nach dem Genuss mehrer Drams auch schon mal als Alte Beene verballhornt) liegt in der Speyside. Laut Wikipedia spricht man den Namen auch eher aulta-wanje aus. Nun denn, notfalls kann man auch mit dem Finger drauf zeigen. Die Bedeutung ist hingegen klar: Nichts anderes als Milchbach bedeutet der Name. Was sich Chivas Brothers 1975 bei dieser Namensgebung gedacht hat, ist nicht bekannt. Nach einer zwischenzeitlichen Verdoppelung der Produktionskapazitäten befindet sich die Destillerie seit 2001 im Besitz von Pernod Ricard. Ein Jahr darauf stillgelegt und 2005 wieder eröffnet, produziert die Brennerei jährlich 4.000.000 Liter Alkohol, die nahezu ausschließlich in Blended Whiskys Verwendung finden. Umso schöner, eine Abfüllung aus der Zeit nach der Wiedereröffnung im Glas zu haben.

ABFÜLLER

Den Whiskyhort als Abfüller habe ich bereits hinreichend beschrieben. Zuletzt hatte ich dessen Rubberduck im Glas.

AUGE

Honiggelb scheint er mich anzulächeln. Der obligatorische Schwenk im Glas hinterlässt in den Kirchenfenster breite Streben, die nur langsam das Glas hinunterlaufen.

NASE

Ui! Da hat mir jemand einen Fruchtkorb hingestellt. Ein buntes Durcheinander, in dem Marillen und Birne am deutlichsten zu identifizieren sind. Bevor ich das alles aufgedröselt habe, ist der Fruchtkorb aber schon abgeräumt. Statt dessen wird jetzt Kuchen serviert. Sand- nein, doch eher Marmorkuchen, etwas zu früh aus dem Ofen geholt, denn der Teig ist noch nicht ganz durchgebacken. Ein Hauch Schokolade ist dabei. Dazu gibt es Cerealien mit Honig, sehr süßem Honig. Die typische, etwas würzige Note von Rohrzucker mischt sich in die Aromen – und ein Bestandteil, bei dem ich partout nicht drauf kommen will, was es ist. Die beste Frau von allen bringt mich schließlich drauf, als sie am Whisky riecht und meint, der enthielte wohl Rübenkrautsirup. Genau das war’s!

MUND

Der erste Nipp lässt sich als Eisenfaust im Samthandschuh bezeichnen. Kaum haben die Sensoren dem Hirn eine unglaublich samtige Cremigkeit gemeldet, schlägt auch schon die Eisenfaust zu. Die fast 60 % sind nicht ohne. Daher ist der Nipp auch schnell im Hals verschwunden und vor dem nächsten warte ich ein wenig. Eine knappe Viertelstunde später der nächste Versuch, der deutlich besser klappt. Vollmundiger Kuchenteig-Geschmack. Ich möchte den Whisky kauen! Richtig saftiger Kuchen scheint sich in meinem Mund zu befinden. Die Schokolade wird etwas deutlicher, entpuppt sich als Zartbitter. Auch der Sirup ist noch präsent. Dazu schöne, malzige Noten – einfach herrlich! 

Für einen Moment vom Whisky abgelenkt, steht er weitere zehn Minuten unberührt im Glas. Hätte es ich nicht die ganze Zeit in Sichtweite gehabt, hätte ich schwören können, dass jemand den Allt-á-Bhainne durch einen anderen Whisky ersetzt hat. Keine Früchte, kein Teig, dafür richtig kräftig würzige Aromen. Das erinnert mich schon an einen Whisky aus den Highlands. Dieser Wechsel gefällt mir ebenfalls sehr gut. Auch weil der Alkohol deutlich milder geworden ist. 

HALS

Damit hat man noch länger Spaß! Schöne malzige, teigige Eindrücke bleiben erhalten, und das lange. Der Abgang wärmt und man weiß genau, wo sich der Schluck auf dem Weg zum Magen gerade befindet. Auch wenn er dort schon lange angekommen ist, meint man den Kuchen noch zu schmecken.

FAZIT

Einmal eingießen, drei Whiskys im Glas? Kann der Allt-á-Bhainne. Den finde ich mal richtig beeindruckend! Er ist nicht ohne, nicht zuletzt dank des Alkoholgehalts. Auch fordert er Respekt und Zeit, dankt es einem aber mit wunderbaren Kehrtwendungen, sie mich sehr faszinieren. Davon wird definitiv eine Flasche den Weg in mein Regal finden. Dazu kommt, dass ich diese selbst abfüllen kann – für die Freunde schottischen Landweins ein großes Vergnügen.

Danke an den Whiskyhort, dass ich das Sample probieren durfte.

LINKS

Whiskybase: noch nicht angelegt
Destillerie: nicht vorhanden
Abfüller: https://www.whiskyhort.com

Tasting-Notes #0035

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