Brothers in Malt – Bottling Oktober 2017

„Brüder im Geiste“, ein geflügeltes Wort für Menschen, die sich in ihrer Einstellung oder Meinung sehr ähnlich sind, das kennt wohl jeder. Aber „Brothers in Malt“, also „Brüder im Malz“? Der Begriff sagt wohl nur wenigen etwas. Dabei handelt es sich um Jeffrey Kaiser, Mark Oellingrath und Christian Vohl, drei Whisky-Freunde aus Solingen und Haan. Anlässlich der Geburt von Christians Tochter sollte es ein besonderes Geschenk geben, einen Whisky, den es so nicht zu kaufen gab. Aus dieser spaßigen Aktion wurde Ernst und die drei gründeten „Brothers in Malt“. Seitdem sind drei Jahre und über fünfzehn Abfüllungen ins Land gezogen, die sich in einer wachsenden Fan-Gemeinde großer Beliebtheit erfreuen. Einer der ersten war ein achtjähriger Ledaig, an dem sich ob seiner grandiosen Qualität die nachfolgenden Abfüllungen messen lassen mussten. Umso spannender, dass im aktuellen Bottling zwei Ledaigs am Start sind, die zu verkosten ich die Ehre und das Vergnügen habe. Noch dazu, da Ledaig nach kleinen, nicht nennenswerten Startschwierigkeiten zu meinen erklärten Lieblingen der Whiskywelt gehört. Ich bin also sehr gespannt!

 

Ledaig 10yo

Als die getorften Abfüllungen der Tobermory Distillery in mein Blickfeld gerieten, handelte es sich um sechsjährige Destillate aus dem ex-Bourbon-Fass. Gerade bei dieser Destillerie ist diese Maturation mein Favorit, offenbart sie doch den Brennereicharakter, der neben einer schönen Torfnote immer auch eine gewisse Dreckigkeit, also Ecken und Kanten mitbringt. Inzwischen liegt der Fokus häufig auf zehnjährigen Abfüllungen. Andere Abfüller haben vergleichbares im Angebot. Das werde ich demnächst mal in einem Quervergleich testen. Doch zunächst zum aktuellen Bottling der Brothers in Malt:

Überraschend hell finde ich das Sample. Es erinnert mich an sehr hellen Weißwein. Ohne den Vergleich zu den anderen Samples sieht es im Glas schon fast klar aus. Nach zehn Jahren ist das schon ungewöhnlich. War es vielleicht ein Refill-Hogshead? Möglich. Fest steht aber, dass abweichend vom Sample die Abfüllung selbst eine Spur kräftiger ausgefallen ist und mit 56,7 % daherkommt.

In der Nase fällt als erstes das schöne malzige Aroma auf, das von etwas Vanille begleitet wird. Auch die Torfnote wirkt zu nächst verhalten. Das täuscht aber, denn ein paar Minuten im Glas öffnen den Malt. Die Aromen werden deutlich kräftiger. So mag ich das! Etwas Salz kommt dazu, getrockneter Rosmarin mischt sich darunter. Etwas später kommt noch eine Fleischigkeit dazu, die mir gut gefällt. Rund und passend macht er mit genau den Ecken und Kanten, die ich an Ledaig liebe, Lust darauf, ihn zu probieren.

Also nicht lang schnacken … nein, nein, nein. So trinke ich meinen Whisky nicht. Erst recht keinen, den ich noch nicht kenne. Vorsichtig nehme ich den ersten Nipp. Das Mundgefühl überrascht mich mit einer erstaunlichen Weichheit. Auch hier ist das Malz als erstes präsent. Das schmeckt nach Cornflakes. Wie bei diesen ist eine leichte Süße vorhanden, die sich nicht in den Vordergrund drängt. Dazu ein Hauch Vanille, sehr fein ausbalanciert. Kaum ist das aufgedröselt, kommt der Alkohol durch. Jetzt wird es kräftig! Nicht unangenehm oder brennend. Die Aromen werden einfach nur deutlich ausdrucksstärker. Jetzt kommt auch der Rauch so richtig zur Geltung, füllt den Mundraum. Aber irgendjemand hat da noch ein paar Kräuter ins Feuer geworfen. Rosmarin ist vorhanden, Thymian kommt dazu. Dadurch bekommt der Rauch eine eigene Note, die ich so von Ledaig noch nicht kannte. Das macht ihn für mich aber spannend und es gefällt mir sehr!

Dieser kräuterige Rauch, gepaart mit einer leichten Süße, ist es auch, was von diesem wundervollen Malt im Hals bleibt. Nach und nach setzt sich die Süße dabei durch und kommt erst hinten raus richtig zur Geltung. Der Eindruck bleibt nicht zu lange erhalten. Das ist in diesem Fall nicht schlimm, man kann sich ja noch einen einschenken.

Fazit: Well done, Brothers in Malt! Ein Ledaig, der mich überrascht. Einerseits die typischen Noten, die ich an Ledaig liebe. Daneben aber frische Aromen von Kräutern, die völlig neue Eindrücke mit sich bringen. Das ergibt eine Kombination, die ich so noch nicht im Glas hatte und die mir sehr gut gefällt!

Ledaig 22yo

Ledaig! 22 Jahre alt! Zumindest für mich die älteste Abfüllung dieser Destillerie, die ich bisher im Glas hatte. Die Whiskybase listet zwar auch über 30-jährige auf. Aber so wie die Brothers in Malt unterwegs sind, dürfte das nur noch eine Frage der Zeit sein. Wie kommt man als unabhängiger Abfüller eigentlich an solch ein Fass? Wie so oft im Leben spielte der Zufall eine gehörige Rolle. Da hatte jemand zusammen mit einem schottischen Freund vor langer Zeit Whiskyfässer gekauft und lagern lassen. Der Freund ist mittlerweile verstorben und so stellte sich dem anderen die Frage, was er als Laie mit den Fässern macht. Da er kurz davor einen Zeitungsartikel über einen Whiskysommelier aus der Nähe gelesen hatte, sprach er diesen an. Der wiederum brachte die Brothers in Malt ins Spiel und so kam zusammen, was zusammen gehört. Ein private cask also. Schöne Geschichte zu diesem Whisky, auf den ich mich sehr freue.

Optisch an helles Stroh erinnernd bilden sich nach dem Schwenk im Glas sehr langsam sehr feiner Schlieren, die sich auf ihrem Weg zurück zum Dram viel Zeit lassen. Auch hier liegt eine Reifung in einem Hogshead vor, auch hier beschleicht mich die Vermutung, dass das Fass nicht zum ersten Mal mit Whisky befüllt wurde. Sehr schön, verspricht das doch, den Brennereicharakter noch deutlicher zu zeigen. Andererseits stellt sich die Frage, wie es mit selbigem nach 22 Jahren im Fass aussieht. Neigen doch gerade getorfte Whiskys dazu, einen Teil ihrer Rauchigkeit zu verlieren. Mal riechen wie es hier aussieht.

Die erste Nase ist schon verheißungsvoll. Süße steigt auf, aber nicht flüchtig und leicht, sondern beeindruckend schwer und voluminös. Dabei ist sie nicht aufdringlich und spielt sich in den Vordergrund, sondern lässt auch Platz für andere Aromen. Eine Spur Früchte nehme ich wahr, nicht ganz reife Erdbeeren. Die Süße entpuppt sich als brauner Zucker. Und der Rauch? Ist erwartungsgemäß nicht so präsent wie bei jüngeren Abfüllungen. Dafür wirkt er warm, wie der eines prasselnden Feuers mit fast durchgetrocknetem Holz. Sanft kommt er daher und hüllt die anderen Aromen ein, bindet sie zu einem schönen Bukett.

Im Mund dann ein ähnliches Bild. Allerdings kräftig, würzig, richtig vollmundig. Den Mundraum füllt der Nipp sofort aus, schmiegt sich cremig bis in die letzte Ecke. Gebuttertes Shortbread kommt mir in den Sinn, das recht süß geraten ist. Vanillepudding. Dabei ist der Alkohol gut eingebunden und ist in seiner Stärke nicht zu definieren. Die liegt übrigens mit 56,0 % ebenfalls geringfügig über der des Samples. Der Torfrauch ist hier ebenfalls eher unaufdringlich und noch am deutlichsten retronasal zu spüren. Im Mund derweil leichte Kräuternoten zum Shortbread, getrocknete Kräuter, die ihr Aroma erst nach und nach entfalten. Dabei wärmt der Schluck schon im Mund und lässt ein wohliges Gefühl durch den Körper strömen. Zum Ende hin trockener werdend, rundet dies das geschmackliche Empfinden der deutlichen Süße spürbar ab. Dabei kommt auch der Torf eine gute Spur deutlicher zum Vorschein.

Das Gefühl bleibt im Hals erhalten, recht lang sogar. Eine volle Süße bereitet dem Rauch den Weg und man kann gut verfolgen, wo der Dram gerade wärmt.

Fazit: Ein gesetzter Herr mittleren Alters, den man schwer mit jungen, ungestümen Vertretern seiner Art vergleichen kann. Das braucht man auch nicht, denn er kommt selbstbewusst, gesetzt daher – und trifft dennoch genau meinen Geschmack. Für einen Ledaig mag er vielleicht eine Spur ungewöhnlich wirken, aber wer hatte schon einen Dram dieser Destillerie in vergleichbarem Alter im Glas? Der kommt mir auf jeden Fall ins Regal!

Vielen Dank an die Brothers in Malt für die Samples. Meine Meinung haben diese nicht beeinflusst. Die ist immer meine eigene.

Eins noch zum Schluss: Die beiden anderen Samples aus dem ersten Bild kommen später in die Flasche. An dieser Stelle nur so viel: Das wird spannend!

Links

Whiskybase: 
– 10yo: https://www.whiskybase.com/whiskies/whisky/102164/ledaig-2006-bim
– 22yo: https://www.whiskybase.com/whiskies/whisky/102163/ledaig-1994-bim
Destillerie: http://tobermorydistillery.com/
Abfüller: http://www.brothers-in-malt.de/

Tasting-Notes #0036, #0037

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