Bruichladdich – The Three Tens

Bruichladdich, nach eigener Aussage „Progressive Hebridean Distillers“, also die „fortschrittlichen Destillateure der Hebriden“, hat gerade aus allen drei Produktionsreihen je eine 10-jährige Abfüllung auf den Markt gebracht. Auf der diesjährigen Interwhisky in Frankfurt am Main war Deutschland-Premiere. Vom für den deutschsprachigen Raum zuständigen Markenbotschafter Ewald J. Stromer erhielt ich Samples der Abfüllungen und schildere nachfolgend meine ersten Eindrücke von Bruichladdich, Port Charlotte und Octomore.

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DESTILLERIE / ABFÜLLER

Bruichladdich wurde 1881 am Rand von Loch Indaal auf dem westlichsten Ausläufer der Hebriden-Insel Islay erbaut. Die Brüder John Gourlay, Robert und William Harvey, Söhne des Besitzers der Yoker-Destillerie in Glasgow, errichteten damals eine Destillerie, die zu den modernsten ihrer Zeit zählte. Dazu gehörte, dass die Gebäude nicht aus ehemaligen Bauernhäusern bestanden, sondern direkt als Destillerie geplant wurden. Zudem wurde ein seinerzeit gerade patentiertes neues Baumaterial verwendet: Beton. Offensichtlich achteten die Brüder beim Bau der Destillerie aber auch auf Qualität, denn ein erheblicher Teil der ursprünglichen Produktionsanlagen findet auch heute noch Verwendung.

Vom damaligen Eigentümer White & Mackay 1994 eingemottet, wurde Bruichladdich am 19. Dezember 2000 von Mark Reynier, Simon Coughlin und Gordon Wright für 7,5 Mio GBP gekauft und anschließend komplett renoviert. Brennmeister wurde der inzwischen legendäre Jim McEwan, der vorher bei Bowmore tätig war. Er hat sich zunächst mit den Lagern befasst und erblickte wenig schönes. Aufgrund der Schließung gab es eine Lücke von sieben Jahren und der Rest lag in Hogsheads, die teilweise bis zum siebten Mal befüllt waren. Nach und nach wurden daher die Fässer ausgetauscht, so dass heute alle erdenklichen Fasstypen in den Warehouses lagern. Dieser Punkt gibt bei manchem Whiskygenießer Anlass zur Kritik. Sie werfen Bruichladdich vor, zu viele Ausbauvarianten zu haben und sich dabei in verschiedenen Stilen zu verlieren. Jim McEwan sah das eher amüsiert und fragte sich „… warum sich die Leute gerade um uns kümmern. Wir sind 0,09 % der Branche. Das ist, als würde sich Amerika Sorgen machen, ob die Isle of Man eine Invasion plant.“ Positiv kam bei den Kunden hingegen an, dass das Destillat vor Ort abgefüllt wurde, dabei die eher unübliche Stärke von 46,0% Verwendung fand und man komplett auf Kühlfiltrierung und Zuckerkulör verzichtete.

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WAS

Name: The Laddie Ten 2nd Edition
Kategorie: Single Malt
Destillerie: Bruichladdich
Region: Islay
Abfüller: Bruichladdich
Alter: 10 Jahre
Fasstyp: Fässer aus amerikanischer und europäischer Eiche
Fassnummer: keine Angabe
Alkoholgehalt: 50,0 %
Flasche: insgesamt 18.000
Inhalt: 07, l
Aktueller Straßenpreis: 59,00 EUR 

FARBE

Strohgelb

NASE

Geradezu klassisch eröffnet dieser Dram mit einer malzigen Süße. Honig gesellt sich dazu, eine ganz subtile Zitrusnote. Ergänzend findet sich eine cremige, sahnige Note, die mich an die Fudges erinnert, die meine Frau immer mal wieder macht. Eine herrlich feine Note von altem Leder schmeichelt meiner Nase. Grundlage und stets präsent bleibt aber die süße Malznote, auf die die anderen Aromen wie kleine Tupfer aufsetzen, das allerdings mit einer Leichtigkeit, die mir gut gefällt.

MUND

Toll! Vanille, die cremigen Sahne-Fudges, Malz, das sind die Eindrücke, die sich sofort bilden, kaum dass die ersten Tropfen meine Zunge berühren. Cremig ist auch das Mundgefühl, das sich einstellt. Die Zitrusnote kristallisiert sich jetzt langsam in Richtung Orange heraus, frisch geschält, ist aber immer noch sehr dezent vorhanden. Wunderbar wärmend ist er und herrlich cremig. Der Alkohol macht sich so gut wie gar nicht bemerkbar. 50,0 %? Niemals, das fühlt sich eher nach Sahnelikör an. Geschmacklich ist es natürlich ein riesengroßer Unterschied! Ich bekomme Lust auf Parmaschinken, denn die Aromen erinnern mich zunehmend an eine saftige Honigmelone. Ganz fantastisch. Dazu eine Frische, an eine bunte Frühlingswiese erinnernd. Well done!

HALS

Lang im Abgang, immer noch geprägt von dieser fantastischen Cremigkeit mit der malzigen Süße, begleitet von leicht fruchtigen und frischen Eindrücken.

FAZIT

Diesen Whisky mit zwei Worten zusammenfassen? Gefährlich süffig! Und zwar im sehr positiven Sinne. Ein toller Bruichladdich, der mir noch besser gefällt, als bei der ersten Verkostung vor ein paar Wochen. Könnte ein neuer daily dram werden. Den kann man wirklich jeden Tag genießen und sich daran freuen, dass ein paar Menschen ihren Job richtig gut und mit viel Hingabe gemacht haben.

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WAS

Name: Port Charlotte Ten 2nd Edition
Kategorie: Single Malt
Destillerie: Bruichladdich
Region: Islay
Abfüller: Bruichladdich
Alter: 10 Jahre
Fasstyp: keine Angabe
Fassnummer: keine Angabe
Alkoholgehalt: 50,0 %
Flasche: insgesamt 18.000
Inhalt: 07, l
Aktueller Straßenpreis: 69,00 EUR 

FARBE

Glänzendes Messing

NASE

Sofort ist zu erkennen, was den Unterschied zum Laddie Ten ausmacht: Rauch! Recht dezent zwar, sehr sanft. Das erinnert mich an einen Kamin, der nach der langen Zeit des Sommers das erste Mal wieder angefeuert wird. Diese dezente Rauchnote, die noch an den letzten Winter erinnert, an den letzten kalten Tag, an dem man noch einmal vor dem lodernden Kaminfeuer saß. Dieser Rauch schwebt in meinem Glas offensichtlich oberhalb von einer oder zwei Himbeeren. Ich meine sogar ganz versteckt eine leichte Minznote wahrzunehmen. Dazu aber auch hier sehr präsent eine vanillige, malzige Süße, die quasi zusammen mit dem leichten Rauch das Grundgerüst bildet.

MUND

Da ist er doch, der Rauch! Deutlich stärker wahrzunehmen als in der Nase. Aber dennoch nicht so präsent, wie ich vermutet habe. Er bildet einen perfekten Kontrapunkt zur Cremigkeit des Drams. Hatte ich den Laddie Ten gerade cremig genannt? Pustekuchen! DAS hier ist cremig! So unglaublich weich im Mund, so süß, so herrlich süß. Vanille und Malz sind auch hier die Haupteindrücke. Der Rauch weiß aber zu verhindern, dass das ganze eine Richtung nimmt, die für mich grenzwertig wäre. Durch ihn kommen noch erdige, kräftige Eindrücke dazu, die eine wundervolle Ergänzung bilden, eine leicht salzige Note. Nach etwas Zeit im Glas wird die Süße karamelliger. Kennt ihr aus eurer Jugend noch diese Bonbons mit der Kuh darauf? Sahnig-cremige Karamellbonbons – das ist der PC 10. Dazu die Würze, der Rauch, der hintenraus präsenter wird.

HALS

Ebenfalls lang und sehr präsent. Am längsten haftet der Rauch. Er ist immer noch da, wenn die üppige Süße irgendwann doch verschwunden ist.

FAZIT

Sehr, sehr gut! Einfach ehrlich, geradeheraus. Eine wunderbare Kombination aus tollen, süßen Aromen, gepaart mit Rauch, Salz, Würze als Gegenpunkt. Mehr noch als der Laddie Ten ist sein Eindruck bleibend und sehr lange präsent.

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WAS

Name: Octomore Ten 2nd Edition
Kategorie: Single Malt
Destillerie: Bruichladdich
Region: Islay
Abfüller: Bruichladdich
Alter: 10 Jahre
Fasstyp: Ex-Bourbon-Fässer aus amerikanischer Eiche und französische Grenache-Fässer
Fassnummer: keine Angabe
Alkoholgehalt: 57,3 %
Flasche: insgesamt 18.000
Inhalt: 07, l
Aktueller Straßenpreis: 178,00 EUR 

FARBE

Helles Kupfer

NASE

Rauch. Rotwein. Deutlich mehr als das. Aber das sind die ersten Eindrücke, die quasi in der Nase gedämpft explodieren. In der Kombination fühle ich mich an den Laphroaig Cairdeas 2013 aus dem Portweinfass erinnert – aber nur für einen Moment. Dann stelle ich fest, dass es doch Unterschiede gibt. Der Rotwein kommt deutlich fruchtiger, trockener daher als ein Port. Dazu bringt der Rauch eine speckige Note mit. Was für eine Kombination! Dabei aber nicht die Nase erschlagend, sondern wie schon die beiden anderen zehnjährigen Vertreter eher dezent, fast subtil. Dadurch wirkt der Octomore fast ein wenig geheimnisvoll. Auf jeden Fall aber sehr verführerisch. Der Drang, ihn zu probieren wird stärker. Dabei bin ich mit dem Nosing noch gar nicht fertig. Auch hier wieder etwas Leder. Deutlich genug, um mich an meine neue Tasche zu erinnern. Dazu einerseits wieder diese unaufdringliche Salznote, Fleur de Sel. Fruchtaromen, die nach und nach in rote Trauben, schwarze Johannisbeeren, grüne Äpfel zerfallen. Genug, ich muss ihn jetzt probieren!

MUND

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: cremig, cremig, cremig. Und während ich in Gedanken gerade das dritte „cremig“ formuliere, knallt mir der Rauch auf den Gaumen! Wenn für irgendwas der Begriff „Geschmacksorgasmus“ erfunden wurde, dann für diesen kurzen Moment. Meine Geschmackknospen sterben gerade Le petit mort. Ist! Das! Fantastisch! Fruchtiger Rotwein, Salz, Rauch vermischen sich zu einer unfassbar guten Melange! Wo bitte sind die 57,3 %? Der fühlt sich an wie Öl. Marzipan mischt sich unter meine Eindrücke, ein wenig Vanille, die Süße gibt. Insgesamt ist der Eindruck sehr maritim und mit dem Rotwein herrlich abgerundet. Dazu viele tolle Nuancen, die hier und da aufblitzen. Wunderschöne Eiche-Noten. Eine schon fast ölige Konsistenz Ich habe nicht den Eindruck, dass der Rauch hier mit dem Alter abgenommen hat. Einerseits so typisch Octomore. Andererseits durch das Grenache-Fass so ganz anders.

HALS

Unglaublich lang. Rauch und Wein dominieren und der fruchtig gewordene Rauch hält am längsten.

FAZIT

Seit der 5er-Reihe durfte ich alle Octomores probieren. 6.3 und 7.4 liegen dabei vorne. Die legendären 2.2 und 4.2 stehen noch auf meiner ToTaste-Liste. Aber der Octomore Ten 2nd Edition ist mein bisheriges Highlight aus dieser Serie. Auch wenn das jetzt arg pathetisch klingt, es entspricht doch einfach den Tatsachen: Ich habe eine Träne in den Augen, so unfassbar gut ist dieser Whisky! Ich weiß, das wird angesichts des Preises von 178,00 EUR Diskussionen geben, aber der wird gekauft.

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RESUMEE

Im Freundeskreis gibt es einen Begriff, mit dem außergewöhnlich leckere Whiskys bezeichnet werden: „Scheiß die Wand an, ist der geil!“ Das trifft auf Laddie und PC zu, gar keine Frage. Aber der Octomore ist eine andere Hausnummer. Wenn auch bei weitem nicht so viele und vielleicht auch nicht so exquisite Whiskys wie andere Genießer aus meinem Bekanntenkreis hatte ich bisher im Glas. Aber so ganz ohne war meine bisherige Whiskyreise auch nicht. Fest steht jedoch: Ich habe eine neue persönliche Nummer 1: Octomore Ten 2nd Edition.

Vielen Dank Ewald J. Stromer für die Samples.

HINWEIS

Inzwischen wurde mir die Information nachgetragen, dass es sich bei den Weinfässern des Octomore um Grenache Blanc handelt, also um einen Weißwein. Meine ursprünglichen Notes habe ich dennoch unverändert gelassen und belasse es bei diesem Hinweis.

LINKS

Whiskybase:
Laddie Ten 2nd Edition: https://www.whiskybase.com/whisky/86884/bruichladdich-the-laddie-ten
Port Charlotte Ten 2nd Edition: https://www.whiskybase.com/whisky/86883/port-charlotte-10-year-old
Ostomore Ten 2nd Edition: https://www.whiskybase.com/whisky/86882/octomore-2006
Destillerie: https://www.bruichladdich.com/

Tasting-Notes #0017 – #0019

Deine Meinung dazu? Gerne hier!